Liebe Tänzer, liebe Freunde,

vieles hat sich die letzten Jahre getan, und manches wird sich in nächster Zeit ändern. Ich habe die Tage zwischen den Jahren (und etwas darüber hinaus) damit verbracht, mir intensiv Gedanken über den weiteren Weg dieses Projekts zu machen und möchte Sie euch nun gerne mitteilen. Damit dies nicht an sprachlichen Barrieren scheitert verfasse ich diesen Beitrag ausnahmsweise in deutsch.

urban ballet wurde vor drei Jahren mit sehr optimistischen und idealistischen Plänen gestartet: Es sollte ein Portrait von Tänzern aus ganz Europa werden, an kulturell wie architektonisch interessanten Orten, Menschen durch Workshops zusammenbringen, Netzwerke bilden. Durch Zusammenarbeit mit Tänzern und Beteiligten sollte das Projekt gepushed werden um für alle die optimalen Bedingungen und Ergebnisse zu garantieren.

Die Realität gestaltete sich leider anders. Ich habe bei allen mir bekannten Förderstellen um Unterstützung gebeten, insgesamt 16 Stück in ganz Deutschland. Weder die Kulturbehörde der Stadt Hamburg noch eine andere Institution waren dazu bereit, das Projekt in irgendeiner Form zu fördern. Anfragen bei Firmen bezüglich Sponsoring oder Kooperationen erbrachten leider ebenfalls kein Ergebnis.

Ich habe über ein Dutzend aufwändig gestaltete Pakete an alle mittleren bis großen Tanzschulen in Hamburg versandt, enthalten waren neben einem persönlichen Anschreiben an die Schulleitung eine 20-seitige Projektdokumentation, Hangouts sowie zahlreiche Flyer zum Verteilen und Auslegen. Bis heute habe ich von keiner einzigen Schule auch nur eine Reaktion erhalten, dafür von den jeweiligen Schülern die Information, dass sie nirgendwo in der Schule, weder im Unterricht noch am schwarzen Brett, von dem Projekt gehört oder auch nur einen Flyer gesehen hätten. Zu den Beweggründen und Gedankengängen der Schulen mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, als förderndes Verhalten gegenüber den eigenen Schülern würde ich dies jedoch nicht bezeichnen.

Das Vorhaben, ein Buch herauszubringen oder in anderen Städten Shootings anzubieten scheiterte an den finanziellen Mitteln, nicht zuletzt durch die einzige potentielle Einnahmequelle: den Bildverkauf. Die einstellige Zahl an Bestellungen hat leider bis heute nicht einmal die Grundkosten gedeckt, es war wirtschaftlich gesehen bisher ein klares Verlustgeschäft. Dass selbst das “ballerina project” mit verschiedenen Geschäftsmodellen und Millionen Followern mit dem gleichen Problem zu kämpfen hat, beim Crowdfunding gescheitert ist und aus diesen Gründen das Projekt beenden muss lässt die Konsequenzen vielleicht noch etwas klarer erscheinen.

Das Dinge Zeit brauchen um zu wachsen ist mir durchaus bewusst, darum habe ich nach dem ersten Jahr auch nicht gleich die Flinte ins Korn geworfen. Je mehr Tänzer umso mehr Reichweite und dann wird das schon, sollte man zumindest meinen. Nach über 30 Shootings in drei Jahren hat die Facebook-Seite, und das ist in vielen Dingen leider das aktuelle Maß für manche Dinge wie zB Reichweitenmessung, noch nicht einmal 1000 Follower. Als Gründe sehe ich fehlendes Teilen und Verbreiten durch die Tänzer und Beteiligten selbst, denn ohne Werbung zu schalten kann ich persönlich nur eine begrenzte Anzahl an Leuten über die sozialen Netzwerke erreichen. Hier seid ihr mit in der Pflicht, das Projekt nach vorn zu bringen um auch anderen die gleichen Bedingungen zu ermöglichen, die euch selbst gewährt wurden und nicht nur euer eigenes Süppchen zu kochen! Es gab vor euch Menschen, die den Weg für euch bereitet haben, und ihr tragt diese Verantwortung für nachfolgende Personen & Kollegen.

In meinem letzten Beitrag habe ich die Einstellung mancher Tänzer kritisiert, die einfach nur aus persönlichem Interesse ein kostenloses Shooting abgreifen wollen. Da dies leider nicht der Intention und dem gemeinschaftlichen Gedanken des Projekts entspricht besteht meinerseits auch nach wie vor kein Interesse, für diese Menschen gratis zu arbeiten. Denn das wäre die Schlussfolgerung aus einer einseitigen, unbezahlten und mit verschiedenen Zielen verfolgten Zusammenarbeit. Es gibt genug Hobbyfotografen, Trittbrettfahrer und billigen Nachahmern, die ihre Dienste mit entsprechender “Qualität” umsonst für jederman anbieten. Wer also auf fachmännische Korrektur einer tänzerischen Pose, gekonnte Bildkomposition und hochwertige Bearbeitung keinen Wert legt, sich aber über eine Sammlung an hundert unbearbeiteten Schnappschüssen freut bei denen dann eventuell auch was brauchbares dabei ist, sollte dort sicher bestens aufgehoben sein.

 

Es macht nach wie vor große Freude, mit kreativen Menschen zusammen zu arbeiten und tolle Ergebnisse hervorzubringen. Damit das Projekt als solches aber weiter bestehen kann und um sicherzustellen, dass sich Personen nicht nur aus reinem Eigeninteresse für ein Shooting bewerben werden sich die Regeln zwangsläufig etwas ändern müssen.

 

Unverändert bleibt

– Es kann sich jeder für das Projekt bewerben, ob und mit wem ich zusammen arbeiten entscheide aber nach wie vor nur ich selbst. Je ausführlicher deine Bewerbung ist (Beschreibung, Fotos, Videos) umso größer sind natürlich auch deine Chancen! Es ist kein Kriterium, ob du Amateur oder Profi bist. Eine Zu- oder Absage hat keinerlei persönliche Gründe!

– Das Shooting ist und bleibt grundsätzlich kostenlos

– Die entstandenen Bilder werden zusammen selektiert und anschließend auf der urban ballet Website sowie den zugehörigen social media Profilen veröffentlicht. Solltest du über ein Profil in diesen Netzwerken verfügen werde ich dich selbstverständlich gerne verlinken sodass die Bilder ebenfalls in deinen Alben, Timeline etc auftauchen. Du wirst als Teil des Projekts präsentiert und promoted, kostenlos.

– Tänzer erhalten die Drucke ihrer Bilder zum Selbstkostenpreis. Sollte ein Bild von Dritten gekauft werden erhälst du eine Beteiligung am Gewinn sofern du diese nicht an wohltätige Zwecke spenden möchtest (das tue ich bei jedem Bildverkauf zu gleichen Teilen, unabhängig von deiner Entscheidung).

 

Neu ist

– Der Tänzer darf die Bilder nicht für eigene Zwecke verwenden und auch nicht selbstständig veröffentlichen. Erlaubt sind natürlich nach wie vor Verlinkung oder Teilen der Inhalte.

– Optional können einzelne Bilder in Vollauflösung inklusive vollständiger Nutzungs- und Verwertungsrechte ohne Wasserzeichen zu einem fairen Preis erstanden werden. Dieses Entgelt wird von mir 1:1 wohltätigen Zwecken zugeführt. Die erstandenen Bilder können selbstverständlich frei und ohne jeglichen Einschränkungen für Bewerbungen, Mappe, Internetseite etc verwendet werden.

 

 

Ich erhoffe mir durch diese Änderung eine größere Reichweite des Projekts welche allen Beteiligten zu Gute kommt. Mehr Verlinkungen auf die Seite bedeuten mehr Aufmerksamkeit, dies zieht wiederum mehr Interessenten & Medien an was das Projekt für Sponsoren und Stiftungen attraktiver macht. Mit solchen Partnern erhalten wir einfacher Genehmigungen für ansonsten schwer zugängliche Orte, können andere Projekte und kulturelle Einrichtungen besser unterstützen. Und all dies wird jedem einzelnen Tänzer & Teilnehmer des Projekts zu Gute kommen, denn je mehr Aufmerksamkeit das Projekt erfährt umso mehr profitiert jeder Einzelne davon. Und sollte ein Tänzer doch das ein oder andere Bild für seine Bewerbungsmappe haben wollen (und davon profitiert nun mal nur die einzelne Person) kostet es eben ein bisschen was. Und dieses bisschen wird wiederum einem wohltätigen Zweck zugeführt wo es dann hoffentlich ein bisschen mehr bewirken kann.

Ich hoffe, ihr könnt meine Gedanken und Entscheidung nachvollziehen. Der Sommer steht vor der Tür, die neue Saison wird Anfang Mai bereits eingeläutet und ich freue mich auf jeden Einzelnen von euch auf das wir gemeinsam wieder Großes vollbringen werden!

Mit besten Grüßen,
Markus